Die 20qm Rennjolle (Altersklasse)

Die 20qm Rennjolle auch bekannt unter den Namen Z-Jolle, 20er-Rennjolle, Z-Boot, 20qm Altersklasse, 20qm Z-Klasse war einem Zufall vorbehalten.Die Gründung dieser beliebtesten Rennjollenklasse wurde auf dem 25.ordentlichen deutschen Seglertag im Jahre 1921 von einigen, zuvor in den DSV aufgenommenen Vereinen wie (Wettfahrtvereinigung Berliner Gigsegler, Verein Seglerheim am Müggelsee und Segler-Vereinigung Tegel ) der Antrag gestellt und von Herrn W. Jacob eingehend begründet, eine 20qm-Rennjolle im DSV zu schaffen. In einer längeren Diskussion schien der Antrag abgelehnt zu werden, da die Anhänger der Binnenjolle sich dagegen aussprachen aus der Besorgnis heraus, diese neue Klasse könnte der Binnenjolle ihre besten Steuerleute entziehen. Da rettete der PYC die Situation: Der damalige Vorsitzende Kurt Müller stellte auf Vorschlag des Kameraden E. Winter den Dringlichkeitsantrag, die 20qm-Jolle zunächst als Altersklasse zuzulassen.Dieser Antrag ging durch, die 20qm-Rennjolle wurde angenommen, zunächst bis 1929, unter der Voraussetzung, dass nach dem 31.Dezember 1921 keine neuen Boote auf Kiel gelegt werden dürften.

Die Rennjolle gewann zu den alten viele neue Anhänger,Unzufriedenheit herrschte aber darüber, dass keine neuen Jollen gebaut werden durften.Deshalb wurde auf dem 26. ordentlichen deutschen Seglertag 1923 erneut Anträge auf Annahme als richtige Rennklasse gestellt und dann auch beschlossen: "Die 20qm-Klasse wird weiterhin als Altersklasse bezeichnet. Sie besteht aus Schwert und Kielbooten. Es dürfen jedoch für die nächsten 3 Jahre, d.h. bis Ende 1926, in dieser Klasse neue Boote gebaut werden." Damit war die 20qm-Klasse praktisch für die nächsten 3 Jahre eine normale Neubauklasse geworden. Der Erfolg zeigte sich bald. Der DSV registrierte im ersten Neubaujahr bereits einen Zugang von 108 neuen Booten und von dieser Zeit ab waren Jahr für Jahr die Neubauzahlen größer als in der 22qm-Rennjollenklasse (J-Jolle) siehe Tabelle unten.!!!

Einem neuen Angriff auf dem 27. ordentlichen deutschen Seglertag 1925 seitens der an der 20qm-Rennjolle interessierten Kreise gelang es schließlich, dass die Bezeichnung 20qm-Altersklasse aufgehoben und die Boote als 20qm-Schwertboot mit Gültigkeitsdauer bis 1929 in die Rennklassen des DSV  eingereiht wurden. Wenn auch allgemeine Vorschriften, wie Plankenstärke, Spanten, Kiel, Balkweger usw. vorgeschrieben waren, so blieb die Klasse frei von anderen einschränkenden Vorschriften.

Die Konstrukteure hatten hier nun die Möglichkeit, ohne Bindung an Rumpfmaße und Baugewicht, schnelle Boote zu entwickeln. Sogar eine von Curry eingeführte Wasserbremse wurde gestattet. Es entstanden Boote, von denen die erfolgreichsten etwa 2,5 m länger waren als die 22qm-Rennjollen. Die Bootsformen wurden daher zu mindestens für mittleren und schweren Wind für Entwicklung großer Geschwindigkeiten günstiger, gleichzeitig auch steifer. Diese guten Eigenschaften wurden allerdings durch eine geringere Lebensdauer erkauft. Die Evolution der freien Zwanziger hat extrem schlanke, elegante Boote geschaffen. Eine typische Zwanziger Rennjolle ist etwas über 8 m lang, bei ca. 1,70 m Breite und niedrigem Freibord. Die Abmessungen variieren jedoch stark. Es gibt Exemplare mit 7 m oder über 9 m Länge. Die Takelage, obwohl von den Klassenvorschriften freigestellt, war traditionell Steilgaffel und Großsegel mit durchgehenden Spreizlatten .

Die 20qm-Rennjolle bildete nicht allein in Berlin Schwerpunkte in den Wettfahrten. Auch auf dem Steinhuder Meer, Ammersee, Starnberger See, Wörther See, den Salzkammergut-See war sie eine ebenso beliebte Klasse wie auf dem Balaton-See in Ungarn und dem Züricher See in der Schweiz. Heutige Reviere sind in Österreich der Mondsee, Grundlsee und Wolfgangsee in Deutschland des Ratzeburger See, Steinhuder Meer, Hamburg/Elbe, Bodensee und Chiemsee, seit Neuem auch der Gardasee in Italien und Belgien .Die besten Jollensteuerleute, teils von der nationalen Binnenjolle kommend, führten die Pinne dieser Rennjollen. In Berlin waren dies :Telto, Drewitz, Gaebler, Lehmann, Graetz, Linsener, Fiebling, Bebensee, in Bayern Curry, Huber und Bischoff.

Aus den Großen Sonderwettfahrten, die in Berlin für die Klasse veranstaltet wurden, sind die Rennen um den Seglerheimpreis auf dem Müggelsee und die Wettfahrten um den Robert-Höfer-Preis auf dem Langen- und Seddinsee erwähnenswert, die bis 1936 andauerten. In den darauffolgenden Jahren kamen keine Wettfahrten mehr zustande, da eine Meisterschaft in dieser Klasse nicht mehr ausgeschrieben wurde. Das war der Auftakt für das große Sterben dieser schönsten deutschen Rennjollenklasse. 1937 hatte der Deutsche Seglerverband seine Meisterschaftsrennen beschränkt auf 4 Klassen. Die Deutschen Meisterschaften sollten von nun an nur noch in solchen Klassen ausgesegelt werden, die internationale Bedeutung haben. Die Spitzenseglerkonzentrierten sich von nun an auf diese Klassen. Die 20qm-Rennjollenklasse wurde daher, trotz ihrer guten Eigenschaften uninteressant und Neubauten wurden nicht mehr in Auftrag gegeben.

Nach dem 2. Weltkrieg gab es vor allem in Süddeutschland noch eine Reihe von Neubauten in den 50er Jahren, bis die Klasse durch die Einführung moderner Einheitsjollen (FD) zum Stillstand kam. Das Problem war ja seit jeher die Spezialisierung, die sich aus den unterschiedlichen Bauformen ergab, sodass je nach Windverhältnissen das eine oder andere Boot im Vorteil ist. Lange Zeit galten die Zwanziger als die schnellsten Schiffe überhaupt und konnten noch in den 50er und 60er Jahren legendäre Triumphe bei der Centomiglia, dem berühmten Langstreckenrennen auf dem Gardasee feiern.

Mitte der 70er Jahre flackerte das Interesse an den Z-Rennjollen wieder auf und hat seitdem zu regelmäßiger Regattatätigkeit geführt. Eine Klassenvereinigung wurde gegründet und die Bauvorschriften modernisiert. Heute wird der Zwanziger natürlich mit einem modernen Spinnaker und zwei Mann im Trapez gesegelt. Die alte Idee des Experimentierens mit Formen ist am Leben, seit 1980 gibt es immer wieder Neubauten, von denen sich durchaus nicht alle auf Anhieb gegen die alten Schiffe durchsetzen können. Die Faszination bleibt aber Geschwindigkeit und edles Holz als Baumaterial.

Jahr

Neubauten Bestand
1924 108  
1925 43  
1926 42 148
1927 30 176
1928 30 161
1929 18 176
1937   180
1938   248